Hobby Bonsai: Ludwig Lingenheil und eine nie endende Reise

Bericht in der Schwäbischen Zeitung - Leutkirch hat was

Ludwig Lingenheil kennen viele als Meister und Trainer der südkoreanischen Kampfsportart Taekwondo, die er seit zehn Jahren unter dem Dach des TSV Wuchzenhofen anbietet. Aber er hat noch ein nicht alltägliches Hobby, das in gewisser Weise damit zusammenhängt: Er züchtet und gestaltet Bonsai-Bäume, eine Gartenkunst aus Fernost.

Ludwig Lingenheil erklärt es genauer: „Der Bonsai ist die japanische Variante einer alten fernöstlichen Art der Gartenkunst, bei der Sträucher und Bäume in kleinen Gefäßen oder auch im Freiland zur Wuchsbegrenzung gezogen und ästhetisch durchgeformt werden. Diese Kunstform entstand wahrscheinlich in China, wo sie Penjing genannt wird. Diese Haltungsart ist kein Ziel, sondern eine niemals endende Reise.“ „Seine Reise mit Bonsais“ begann schon vor gut 35 Jahren, als er durch seinen Kampfsport auf die kleinen Gewächsen aufmerksam wurde und fasziniert war. Die ersten Versuche scheiterten, wie bei anderen, aufgrund falscher Pflege und Unwissenheit. Aber vor einigen Jahren überkam Ludwig Lingenheil nochmals die Faszination an den Gewächsen in den kleinen Schalen und er begann erneut mit vier Pflanzen. Nach vielen Recherchen und unterschiedlichen Meinungsaustausch mit Züchtern (es gibt über 1200 Bücher in 26 Sprachen über Bonsai) begann eine Reise mit mittlerweile zahlreichen verschiedenen Bonsai’s vom japanischen Pfeffer bis zur einheimischen Fichte die in kleinen Formen geschnitten werden. Dass diese Art von Bäumen überleben, hat sich Ludwig Lingenheil eine eigene Strategie angeeignet: Bei großer Hitze werden diese jeden zweiten Tag, ansonsten einmal die Woche gegossen und einmal pro Woche ein paar Minuten in Wasser getränkt. Die Bäume fühlen sich im Freien wohl, erst ab zwei Grad geht es zum Überwintern in die Garage, mit weniger gießen, aber mal düngen. „Es fasziniert mich immer wieder, wie man jeden Baum allein mit Drahten und Zuschneiden in Richtungen leiten und somit gestalten kann. Hierbei ist kein Rhythmus vorgegeben, da man diese Exemplare jederzeit schneiden kann; wöchentlich, monatlich oder vierteljährlich. Man kann damit die unterschiedlichsten Formen erreichen“, schwärmt Lingenheil, betont aber auch, dass eine Unachtsamkeit oder ein Fehlschnitt die Arbeit von Jahren in Sekunden kaputt machen kann. Die Zimmerbonsais brauchen noch mehr Pflege und dürfen keinen zu warmen Platz haben. Übrigens: Der teuerste Bonsai der Welt kostet 950.000 Euro, der Pinus Parviflora und ist 900 Jahren alt. Mit dem Hobby Bonsai kann man mit Samen beginnen oder welche in jeder Preisklasse kaufen und diese weitergestalten. Ludwig Lingenheil umhegt und pflegt jeden einzelnen seiner mehr als 100 Bonsai-Pflanzen und sieht dieses Hobby sowie Taekwondo als schönen Ausgleich zum stressigen Alltag.

Lugge in Allgemein
6 September